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Um einen Westernstiefel als Maßanfertigung in Handarbeit herzustellen, bedarf es nicht nur fundierter Kenntnisse des Schuhmacherhandwerks. Die Vielfalt an Materialien, Bauarten und traditionellen Verzierungen verlangt auch eine innige Beziehung des Schuhmachers zur Geschichte des Westernstiefels.

Seit in den 1920er Jahren das Cowboy-Image über Countrymusic oder Kinofilme zum Kultbild stilisiert wurde, haben sich die Accessoires der nordamerikanischen Viehhirten - Jeans, Hut und eben Stiefel - ihren festen Platz in der Welt der Mode erobert. Auch wenn der Westernstiefel schon lange nicht mehr nur von Cowboys getragen wird, so ist doch beinahe jedes scheinbar modische Detail Ausdruck seiner Entstehung als perfekt den Bedürfnissen des Trägers angepasste Arbeitskleidung.


cowboy

Das, was heute als Cowboystiefel oder Westernboot bekannt ist, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus den Militärstiefeln des amerikanischen Sezessionskrieges abgeleitet.


Vorne spitz zulaufend musste so ein Cowboystiefel sein, damit sein Träger schneller in die Steigbügel kommt. Ein hoher, keilförmiger Absatz erwies sich als hilfreich, wenn man sich - ein zerrendes Kalb am Lasso - in den Prärieboden stemmen musste. Der typische hohe Schaft etablierte sich als effektiver Schutz vor Staub, Nässe, Schlamm, dornigem Gestrüpp oder bissigem Kriechgetier.


Vor allem deutsch- und britischstämmige Schuhmacher brachten europäische Handwerkskunst ein und begründeten damals die Westernstiefeltradition. Zeig mir deine Stiefel, und ich sag dir, wer du bist: Cowboys besaßen einst wenig von Wert - außer ihrem Pferd, ihrem Sattel - und eben ihren Stiefeln. Auf wochenlangen entbehrungsreichen Trails lebten sie ausschließlich im Freien. Der hohe Schaft ihrer Stiefel, seinerzeit noch über der Hose getragen, bot eine willkommene Gelegenheit, sich mittels auffälligen Designs von der Masse der Kollegen abzusetzen. Mit einem aufwändig geschmückten Stiefel konnte man auch mitten in der Wildnis zeigen, was man hat.


Schuh oder Kunstobjekt? Im Laufe der Jahrzehnte entstanden die unterschiedlichsten Verzierungen, doch ursprünglich waren auch die Nähte am Stiefelschaft ein rein konstruktives Element, das lediglich dazu diente, den Schaft zu versteifen. Alle paar Jahre wird der Westernstiefel seit dem frühen 20. Jahrhundert von den Modemachern wieder entdeckt. Sein goldenes Zeitalter erlebte er um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Besonders während dieser Zeit ließen die Stiefelmacher ihrer Fantasie freien Lauf. Eine schier unüberschaubare Vielfalt an neuen Designs entstand - gestickte oder geprägte farbenprächtige Fantasiemuster, Pferde- und Reitermotive, Pflanzen- oder Tierabbildungen, ja ganze Landschaftsbilder trugen die Stiefelliebhaber an den Füßen zur Schau. Das Wertvolle trägt man heute drunter: Spätestens seit auch Frauen den Westernstiefel als modisches, edles und sehr schmückendes Kleidungsstück entdeckt haben, bröckelt auch das Macho-Image der Westernboots.

cowboyboots

Der Westernstiefel wird inzwischen als elegante und traditionsbewusste Form des Understatements getragen. Und heute trägt man die Stiefel unter dem Hosenbein, sodass sich Westernboots auch hervorragend mit einem eleganten Anzug kombinieren lassen.


Gerade Männern, denen das Tragen von anderem Schmuck oft als affektiert angekreidet wird, bietet ein edles Paar Westernboots die Möglichkeit, mit einem wertvollen Kleidungsstück Individualität auszustrahlen und sich von der Masse der Kollegen abzuheben. Wie einst bei den Cowboys.